2008-03 Ostern auf Mallorca
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Ostern XXL
vom 20.03.2008 bis zum 22.03.2008
Inhaltsverzeichnis |
Gründonnerstag in Cala Ratjada
Auf den Balearen geht ja Ostern schon am Gründonnerstag mit Prozessionen los. Warum genau, weiß ich nicht. Vielleicht ja auch, damit sich die vielen Dörfer mit ihren Prozessionen nicht ins Gehege kommen. Morgen geht es nämlich in Arta weiter. Am Abend jedenfalls geht die Prozession der Kapuzenmenschen (die einen dann doch irgendwie immer an den Kuklux-Klan erinnern!) durch Cala Ratjada los. Da der Tross auch bei Vicente am Hostal Marina vorbei kommt, warte ich dort an der Bar bei einer Frikadelle (ohne Kartoffelsalat, danke Silke!) und einem Bier. Ach übrigens, der Hierbas schmeckt dieses Jahr immer noch hervorragend!
Und kaum habe ich mein Abendessen verspeist, kommen die Spitzhüte mir langsamen Schritt, Paukenschlag und Trauermusik auch um die Ecke gebogen. Fast hätte ich sie verpasst, aber glücklicherweise gehen die ja im Schneckentempo.
Früher wurden die Altare ja mal getragen und es war eine Ehre, das tonnenschwere Dink auf den Schultern zu wuchten. Alle gehen dann im Gleichschritt und etwa nur eine halbe bis ganze Schuh-Länge pro Schritt vorwärts. Und dabei wankt der Altar dann langsam immer von rechts nach links.
Jedenfalls ist das hier heute nicht so. Das Teil steht auf Rädern und muss, weil es von Vicente Richtung Hafen bergab geht, ordentlich gebremst werden und die Prozession nimmt deutlich an Fahrt auf! Nichts desto trotz hat der Anblick von diesen Kapuzinern (die mit sicherheit keine wirklichen Kapuziner sind, aber meiner Meinung nach so aussehen) für mich immer schon etwas unheimliches gehabt und erinnert definitiv an den Kuklux-Klan. Und diese Trauermusik der Blaskapelle tut dann noch das Übrige, um einen einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Aber das MUSS man definitiv mal gesehen haben.
Karfreitag in Arta
Der Abend steht wiederum in österlichem Licht: Diesmal in der Burg von Arta. Jedoch wirft auch die Oster-Prozession in Rattata ihre Schatten voraus! In Deutschland ist man es ja gewohnt, dass man ein Parkverbotsschild mindestens eine Woche vorher vor die Nase gestellt bekommt. In Spanien dagegen muss man froh sein, wenn es ein Tag vorher ist. So bei uns in der Straße: Morgens stehen plötzlich Parkverbotsschilder dort, weil Abends die Prozession dort entlang führt. Und Mittags wird dann schon fleißig abgeschleppt! Wenn sie wollen, können sie ja schnell sein, die Spanier. Nur wollen sie so selten...
Das Spektakel in Arta beginnt um 21.30 Uhr. Eine Stunde vorher sollte man schon dort sein, denn der kleine Innenhof der Burg bietet nicht wirklich viel Platz. Aber wenn man früh genug da ist, dann kann man sitzen! Am Gründonnerstag wurde in den Prozessionen quasi gezeigt, wie Jesus damals sein Kreuz getragen hat. Heute dagegen, am Karfreitag ist er bereits gestorben und der Inhalt des folgenden Schauspiels wird sein, wie sie den Leichnam vom Kreuz nehmen und zu Grabe tragen. Das ganze wird mehr oder weniger pantomimisch bzw. ehr wortlos dargestellt. Abgesehen von einer kurzen Lesung eines mallorquinischen Pfarrers, den aber sowieso keiner versteht.
Panorama - Osterspektakel am Karfreitag auf der Burg von Arta
Das unglaubliche Osterspektakel am Karfreitag im Innenhof der Burg von Arta. Im Vergleich zur Realität ist selbst dieses Panorama ja immer noch ein Witz! Also das muss man einfach mal gesehen haben!!!
Das Schauspiel beginnt bei vollkommener Dunkelheit mit dem Entzünden von Fackeln auf jeder Zinne der Burg. Alleine deswegen ist es schon einen Besuch wert! Eine wirklich beeindruckende Zeremonie. Ebenfalls sehr eindrucksvoll ist dann der Part, wo Jesus (eine Puppe) vom Kreuz genommen wird. Das hätte definitiv von Inka (für Outsider: Die Chefin von Theater Ka) sein können! Das blau angestrahlte weiße Tuch springt einen in der an sonsten feuerroten Umgebung regelrecht ins Auge. Dazu kommen noch die Hammerschläge am Kreuz, um die Figur davon zu lösen. (In diesem Falle weiß ich gar nicht, ob das beabsichtigt war oder nicht -- es passt in jedem Falle perfekt dazu!!!)
Der Rest ist wieder Mittelmaß. Die Figur wird auf eine Trage gelegt, Kapuzenmänner kommen und es geht auf einen Umzug durch die Stadt. Dazu gibt es nur Trommelschläge und im Sekundentakt das Läuten der Kirchenglocken.
Osterrundfahrt am Ostersamstag
Mein Ostersamstag soll eine Insel-Rundfahrt beinhalten. Nach all der Putzerei muss man sich ja auch belohnen. Außerdem muss der Tank leer gefahren werden. Ich habe für die Tankfüllung bezahlt und bekomme nichts wieder, egal, wie viel drin ist. Also habe ich an dem Tag 250 km auf der Insel zurück gelegt und diese dabei auch fast ein mal umrundet.
Vorweg noch etwas zum Auto: Traue keinem Auto mit einer Windows-Taste! Ja, man soll es nicht für möglich halten, aber auf dem MuFu-Lenkrad gibt es linke Hand tatsächlich eine Windows-Taste. Deren Funktion ist mir leider verborgen geblieben. Allerdings habe ich es geschafft, mein Handy mit der Bluetooth-Freisprecheinrichtung zu verbinden! Mit dem Resultat, dass mich das Auto beim nächsten Alassen (auf Spanisch) begrüßt hat mit: "Guten Tag! Möchten Sie das Adressbuch in das Auto kopieren?" Da die Dame offensichtlich eine Antwort erwartet, habe ich mit "Nein" geantwortet. Madame quittierte das mit "Ich wünsche Ihnen eine gute Fahrt."
Erster Anlaufpunkt ist das Cap Formentor. Allerdings nicht die bekannte Aussichtsplattform mit Leutchtturm am Ende der Landzunge, sondern ich fahre zum Wachturm auf halber Strecke. Dieser Turm ist nicht ganz so überlaufen, weil die meisten doch zum Leuchtturm wollen. Außerdem kenne ich den Leuchtturm schon. Es stellt sich heraus, das dieser Turm erstens noch intakt und zweitens mit einer Leiter bzw. Sprossen versehen ist! Und wer mich kennt, weiß, dass ich auch hoch geklettert bin. Cool! Da hat man eine echt geniale Aussicht!!! Außerdem kann man sich endlich mal eines der Funkfeuer zur Luftsicherung von oben anschauen.
Bei Capdepera steht ja ebenfalls so ein Funkfeuer, was gerne von unten mit einer Hubschrauberlandeplattform verwechselt wird. Es ist jedoch einer der beiden Überflugpunkte für Passagierflugzeuge. Je nach Windrichtung überfliegt der Touristenbomber entweder den in Formentor um dann von der Landseite aus zu landen oder aber den in Capdepera, um von See aus die Landebahn anzusteuern.
Panorama - Cap Formentor
Der Blick vom Wachturm auf halber Strecke von Cap Formentor. Die Blickrichtung ist zum Ende der Landzunge. Leider kann man die aufgrund der hohen Berge nicht sehen. Selbst den Leuchtturm nicht, der auch zu tief liegt. Lediglich das Hotel an der Bucht rechts ist erkennbar.
Neben dem Funkfeuer gibt es dort noch eine Hand voll Bauruinen. Also als legale Häuser angefangene Bauten, die später als illegal definiert worden sind und nun vor sich hin bröckeln. Eine durchaus interessante Kulisse!
Irgendwie finde ich so etwas viiieeel schöner als so manchen verschnörkelten Schrein am Straßenrand. Wobei man letztere ja ehr in Bayern antrifft, als auf Mallorca.
Die typischen Tore auf Mallorca. Genial einfach und einfach genial!
Die beiden auf dem Weg liegenden Stauseen sind dank der reichhaltigen Regenfälle bis oben hin gefüllt. Ein Spaziergang am Ufer fällt aber aus, weil es gerade etwas regnet...
Von Cap Formentor aus geht es zunächst einmal nach Pollenca rein zum Caprabo, um dort etwas zum Mittagessen zu erwerben. Danach geht es dann durch die Berge vorbei an vielen Orangen-Plantagen hin zum berühmten Kloster von Lluc. Dort habe ich dann mein Mittagessen zusammen mit vielen Pilgern in der großen Pilger-Küche gefuttert. Da herrscht echt eine Bombenstimmung und es schon irgendwie so, wie ein riesiges Familienfest! Traditionell fahren nämlich sehr viele Spanier über Ostern (Gründonnerstag bis Ostermontag) zum Kloster mit der schwarzen Madonna. Entweder wird im Hotel geschlafen oder aber auf dem Campingplatz gezeltet. Und obwohl das Wetter nicht gerade ideales Camping-Wetter ist, platzt der Camping-Platz trotzdem aus allen Nähten!
Der Nachtisch ist dann frisches Quellwasser am Waschhaus in Biniaraix. Dort war ich ja mit Marius zusammen schon im Jahr 2000 auf unserer Trekking-Tour. Leider konnte aber jemand die kultige Suppenkelle gebrauchen :o(
Der Rückweg führt mich dann weiter durch die Berge über Deja und Valdemosa...
...bis hin nach Esporels, von wo es aus über Palma dann wieder heimwärts geht. Antratx und Calvia habe ich also leider nicht mehr geschafft. Aber wir sind ja noch etwas länger hier.
Besteigung des Alaro am Ostermontag
Juhu, die Einsamkeit hat ein Ende: Kai und Chris-Chris sind zu Besuch!!!
Sie sind über Ostern spontan nach Mallorca gekommen und schlafen jetzt in unserer noch chaotischen Wohnung!
Und als große Oster-Aktion besteigen wir nun den Tafelberg am Alaro. Das liegt am südlichen Rand des Tramuntana-Gebirges und von dort aus hat man bei gutem Wetter einen herrlichen Ausblick auf die südliche Hälfte der Insel. Idealerweise von Alcudia bis rüber nach Palma! Und schaut man gen Norden, so sieht man hinein in die Sierra de Tramuntana und sogar hinauf zum höchsten Berg, Puig Major.
Den ersten Anlauf nehmen wir mit dem Auto. Man muss sich nur trauen, denn der letzte Abschnitt der Straße ist durchaus als "schlecht" zu bezeichnen. Andere würde ihn als "nicht befahrbar" klassifizieren, aber das stimmt definitiv nicht. Jedenfalls erspart man sich dadurch knapp 2 Stunden Fußmarsch. Angesichts der kürzeren Tage zu Ostern und der langen anreise durchaus von Vorteil.
Dann geht es aber die letzt Stunde wirklich zu Fuß hinaus! Und schon von unterwegs hat man einen herrlichen Blick, sowohl nach unten, als auch nach oben!
Oben angekommen ist die Aussicht dann wirklich perfekt! Durch die Burg-Ruinen liegt einem die halbe Insel zu Füßen!!!
Allerdings muss man auch sagen, dass hier oben nicht alles verfallen und kaputt ist. Es gibt auch ein Cafe/Kiosk. Der wird jeden Morgen mit Hilfe eines Esels wieder aufgefüllt. Das geht ja wohl gaaar nicht!!! Da latscht man Stunden lang bergauf durch die Pampa um dann an der Bergspitze einen Kiosk mit Kaffee und Kuchen zu finden. Wir boykottieren den Laden!
Der Alaro ist ein Tafelberg. Das Bedeutet, dass es an seinen Kanten mehr oder weniger steil runter geht! Also nichts für schwache Nerven. Und bei dem Wind, der dort oben bläst, auch nicht ganz ungefährlich...
Und hier ein paar Impressionen von dort Oben! Neben der Nato-Horchstation auf dem höchsten Berg Mallorcas kann man noch perfekt die Bucht von Alcudia sehen!
So, und hier ist das arme Lastentier, welches Kaffee und Kuchen jeden Morgen hoch schleppen darf, damit sich faule Touristen oben gemütlich hin setzen können...
Oh, und da ist ja auch meine Daunenjacke! Ich hätte ja nicht gedacht, dass sie den Weg nach Mallorca finden würde -- es sei an dieser Stelle verraten, dass sie Kai wieder mitgenommen hat.
Ein Gutes hat die Zivilisation oben auf dem Berg ja doch: Ein induktiver Blitz-Zähler!
Technik, die begeistert!
Früher stand auf dem Berg ja mal eine Burg. Heute nur noch die Ruinen davon. Und wie es sich für jede Burg gehört, muss da auch eine Kirche mit rein. Die steht glücklicherweise noch! Und dort lohnt es sich unbedingt hinein zu gehen. In einem kleinen Seitenraum liegen unzählige Zettel mit Wünschen und Dankschreiben. Dort lohnt sich ein kurzes Verweilen und lesen...
Wir beenden unseren kleinen Ausflug am Ostermontag und machen noch einen kleinen Abstecher nach Sa Calobra hinunter. Auf dem Weg dort hin kommen uns übrigens zahlreiche Fahrzeuge mit mit kleinen Schneemännern auf der Motorhaube entgegen! Nur den Schnee haben wir leider nicht gefunden :o(
